
Der
Kirchenstand nutzte nach einer knapp dreimonatigen Innenrenovation die
Gelegenheit, mit einer kleinen Einweihungsfeier wieder einmal vermehrt Leute in
die Kirche zu locken. Dies ist gelungen. Eine stattliche Schar
Kirchgemeindemitglieder liess sich von den sehenswerten Sanierungsarbeiten
überraschen. Die Kirche strahlt im neuen Glanz. Petrus bedankte sich mit einem
sonnigen sonntäglichen Prachtswetter. Architekt Martin Wäckerlin und die
beteiligten Handwerker durften den Dank der Kirchgemeinde entgegennehmen.
Kirchgemeindepräsident Christoph Freitag war es vorbehalten, den Werdegang der 1296 fertig gebauten Kirche aufzuzeigen. Die Kirche ist also etwa gleich alt wie die Bergkirche. Die Kirche bekam den Namen St. Johann. Nicht klar ist, ob sie "Johannes dem Täufer" oder dem "Jünger Johannes" geweiht worden ist. 1756 wurde die Sakristei abgerissen und ein Feuerspritzenmagazin angebaut. 1760 wurde das Innere der Kirche für etwa 760 Gulden renoviert, was heute nach C. Freitag etwa 200'000 Franken entspricht. 1866 erfolgt erneut eine komplette Umgestaltung der Kirche im neugotischen Stil. Die heutigen zwei Kirchenglocken stammen aus 1903, gegossen bei Jakob Egger in Staad. 1922 und 1962 folgten weitere Sanierungen. Die Innenrenovation 2004 bestand im Wesentlichen aus dem Überstreichen der Wände und Türen und der Überarbeitung der Bänke. Pfarrerin Annemarie Kirchhofer sieht es wie der Volksmund, nämlich "man soll die Feste feiern, wie sie fallen". Ohne Feste wäre unser Leben ärmer. Was wäre dies für ein Leben ohne Weihnachts- und Geburtstagsfeiern. Mit der gelungenen Renovation haben wir einen guten Grund zu feiern. Wir feiern gerne Gottesdienste in einem Raum, wo wir uns wohl fühlen. Es ist gar nicht selbstverständlich, dass die Johannes Kirche immer wieder ohne äusseren Zwang renoviert wurde. Von einem Fest erzählt auch Jesus. Das Haus ist geschmückt und die Tische sind gedeckt. Die rechtzeitig eingeladenen Gäste kommen aber nicht, alle mit fragwürdigen Entschuldigungen. Das Fest findet aber gleichwohl statt, denn die Armen und Krüppel, die Lahmen und Blinden wurden direkt von der Strasse zum Fest geladen. Sie kamen alle gerne und es wurde ein wirkliches Fest. Die Geschichte, die Jesus erzählt, ist auch ein Gleichnis für sein eigenes Leben. Die vornehmen Vertreter des Volkes Israel hatten damals seine Botschaft nicht angenommen. Leute aus dem einfachen Volke haben ihn verstanden und sind ihm gefolgt.
Die Einweihungsfeier der renovierten Johannes Kirche wurde musikalisch umrahmt von Angela Lohri und Samuel Nyffeler Ihre Darbietungen wurden mit grossem Applaus quittiert. Dem anschliessenden Apéro sind die geladenen Kirchgemeindemitglieder gefolgt. Es mussten keine Söldner und Sünder von der Strasse geholt werden. Die Käserollen fanden reissenden Absatz. Nachdem die Kirche im neuen Glanz erstrahlt, wäre es schön, wenn unsere Pfarrfrau bei den Sonntagspredigten nicht nur 10 bis 15 Zuhörer hätte. Ihre Gedanken zum Gottesdienst könnten sich viele zu den eigenen machen. Zitat: "Ich gehe gerne in den Gottesdienst und feiere Gottes Fest mit. Vor dem Fest bin ich oft abgearbeitet und müde. Die Sorgen des Alltags lassen mich nicht los. Ich habe keine rechte Lust zum Feiern. Dann gehe ich in den Gottesdienst. Das war bei allen wichtigen Schritten meines Lebens so. Im Gottesdienst werde ich der Liebe Gottes gewiss. Ich singe und bete. Ich erlebe die Gemeinschaft von Menschen, die mir nahe stehen. Das Feiern fängt in der Gemeinde an. Zu Hause geht es weiter. Unser Alltag lebt vom Glanz, den solche Feste auf ihn werfen."
Max Wildberger
Klettgauer Zeitung 23.10.04
letzte Änderung: 03.11.04