Auszug aus der Beilage zur "Klettgauer Zeitung" und zum "Schaffhauserland" vom 22. September 1962

Die Renovation

Der letzte Handwerker hat die Baustätte verlassen, die im Inneren renovierte Kirche steht nach mehr als einjährigem Unterbruch dem Gottesdienst wieder zur Verfügung. Ursprünglich beabsichtigte der Kirchenstand die defekten Kirchenfenster neu verglasen zu lassen. Der Beschluss der Kirchgemeinde, im Zusammenhang mit der Durchführung dieser Arbeiten die Seitenempore zu entfernen, brachte den Stein ins Rollen und führte von Entscheid zu Entscheid zu einer Gesamtrenovation des Kirchen-innern. Was ist im Zuge dieser Renovation geschehen?

Im Bestreben, das historische Gebäude so weit als möglich auf den ursprünglichen Zustand zurückzuführen, wurden im Schiff die späteren, fraglichen Zutaten entfernt. So wurde vorerst die nördliche Seitenempore, das "Corpus delicti", abgebrochen, die enge und unbequeme Bestuhlung ausgeräumt. Die auf einer Holzstütze mit neugotischen Profilen versehene Holzkanzel wurde entfernt, und der gotische Sandsteinbogen zwischen Schiff und Chor freigelegt. Da noch während den im Gang begriffenen Renovationsarbeiten im Schiff noch ein Kredit für die Chorrenovation erteilt wurde, ist auch der Chor vollständig von seinen Einbauten, wie Orgelempore mit der Wendeltreppe und dem Gestühl befreit worden. Da die Orgel nach fachmännischen Urteilen ohnehin nur noch kurze Zeit den Dienst hätte erfüllen können, und da das Orgelwerk selbst kein wertvolles Instrument war, wurde darauf verzichtet, mit verhältnismäßig hohen Kosten das Werk, abgeändert und den neuen Verhältnissen angepasst, auf die Westempore zu setzen. Der Wandputz in Schiff und Chor wurde bis auf den Mauergrund entfernt; die Pflasterdecke im Schiff konnte hingegen belassen werden, da deren Zustand dies erlaubte. Nun waren die Grundlagen zur Neugestaltung des Kirchenraumes gegeben. Über die Gestaltung des Schiffes war man sich bald einig.

Der Mittelgang musste erhalten bleiben, sodass die neue Bestuhlung wie zuvor angeordnet wurde. Neben dem Heizraum unter der Emporentreppe wurde unter der nördlichen Gestühlreihe ein Holzraum für die Unterbringung von zirka 20 Ster Brennholz erstellt.

Unter, dem Gestühl wurde ein Unterlagsbeton und darüber ein Tannenholzboden angelegt. 26 bequeme Bänke bieten Platz für zirka 180 Kirchenbesucher. Auf die Abschlussbrüstungen vor den vordersten Bänken wurde verzichtet, um den Raum zwischen Bestuhlung und Chorbogen freier zu halten. Die neue Holzkanzel wurde auf einen gemauerten Sockel am gleichen Ort, jedoch wesentlich tiefer gesetzt. Der Sandsteinbogen wurde kunstgerecht geflickt und überarbeitet. An der verbleibenden Westempore beschränkte sich die Renovation auf die Emporenbrüstung, deren Holzwerk abgelaugt und naturbehandelt wurde. Der unschöne Aufgang zum Estrichraum konnte so korrigiert werden, dass das Fenster an der Westseite, das bisher angeschnitten war, frei gelegt werden konnte. Da die Absicht besteht, in einem späteren Zeitpunkt die neue Orgel auf die Westempore zu plazieren, wurde dieser Bauteil bei der Renovation etwas vernachlässigt.

Die Chorrenovation stellte schwierige Probleme. Hier brachte die Renovation wertvolle Hinweise über frühere Umbauten und Einrichtungen. An der nördlichen Chormauer kamen zwei frühgotische Fenster und eine romanische Tür, die zu der an der Kirche angebauten Sakristei führte (Merianstich), zum Vorschein. In etwa 2.50 m Höhe wurde die Tür sichtbar, die es früher erlaubte, von aussen zur Ostempore zu gelangen. An der Süd- und Ostwand wurden ferner 2 Sakramentnischen blossgelegt. Zeugen des einstig katholischen Gottesdienstes. Besonders interessant sind die beiden Fenster, da sie Rückschlüsse auf das Alter der Kirche erlauben. Die leicht angedeuteten Spitzbögen weisen auf die Anfänge der Gotik. So kann angenommen werden, dass die Kirche Mitte oder Ende des 13. Jahrhunderts mit dem Städtchen Neunkirch erbaut worden ist.

Diese Fenster sind heute wieder sichtbar und beleben die Nordfassade der Kirche einerseits und helfen mit, den Chor vermehrt zu belichten. Das Fenster an der Ostseite wurde hingegen zugemauert. Die Türeinfassung und eine der Sakramentnischen sind sichtbar geblieben, sie helfen dem Chor ein eigenes Gepräge zu geben und erinnern an das, was früher war. Die neue, einfach konstruierte Holzdecke wurde gegenüber der bestehenden Pflasterdecke um zirka 1.50 m tiefe gesetzt, um die Proportion in diesem Raum zu verbessern. Die bestehende Heißluftheizung war bestimmend für die Chorbodenhöhe. So war man gezwungen, zwischen Schiff und Chor eine Höhendifferenz von zirka 60 cm anzunehmen, welche mit 4 Sandsteinstufen überwunden wird. In Anlehnung an die vorhandene Heizkanalabdeckung in Sandstein wurde der Chorboden mit grauen Sandsteinplatten belegt. Ein einfacher Abendmaltisch in Holz, massiv und doch beweglich, ermöglicht den ganzen Chorraum bei gewissen Anlässen freizuhalten.

Zur Unterstützung des Kirchengesanges dient bis zur Anschaffung einer neuen Orgel, die, wie bereits erwähnt, auf der Westempore dereinst ihren Platz haben wird, ein Positiv. Es ist dies ein kleines, beweglich verstellbares Orgelwerk mit einem Manual und einem angehängten Pedal. Je ein 8'-, 4'- und 2'-Register und eine Mixtur bieten genügend Variationsmöglichkeiten, um in bescheidenem Rahmen den Gottesdienst zu bereichern. Das in seiner äußeren Form ansprechende Instrument steht links neben dem Chorbogen.

Für eine ausreichende Beleuchtung sorgen unauffällige Wandleuchten.

Ist die Renovation gelungen? Um sich darüber zu äussern, genügt ein Blick vom westlichen Eingang ins Kircheninnere. Von hier aus präsentiert sich der Kirchenraum mit der einfachen und klaren Linienführung von Schiff und Chor. Die Kombination von Holz und Stein vermeidet eine allzu grosse Strenge und Eintönigkeit. Die verwendeten Bauelemente ergänzen sich gegenseitig und schaffen gemeinsam mit dem reich einfallenden Licht eine warme und ruhige Atmosphäre. Alles in allem ein wohlgelungenes Werk, das dem Kirchenstand und den beteiligten Handwerkern zur Ehre gereicht.

W. Wäckerlin

Die Bilder auf dieser Seite zeigen die Untere Kirche während und direkt nach dem Umbau.

 

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letzte Änderung: 26.11.02