Erinnerungen eines anderen Läuterbuben

An einem Silvesterabend in den 60-erJahren trafen sich zufällig etwa ein Dutzend ehemalige Läuterbuben, alle zwischen 20- und 30-jährig, in einem hiesigen Restaurant und feierten mit anderen zusammen den Altjahrabend. So kurz nach elf Uhr rief plötzlich einer: "Heute ist das letzte Mal, dass die Silvesterglocken von Hand geläutet werden. Ich denke, es sind genügend ehemalige Läuterbuben da, um dies zu übernehmen. Also los, in die Bergkirche!" Der Vorschlag fand begeisterte Zustimmung, und etwa ein Dutzend "Jungmänner" folgten ihm. Mesmer Franz Nydegger staunte nicht schlecht über den Aufmarsch, hatte aber nichts dagegen, und den offiziellen Läuterbuben konnte er das übliche Taschengeld ja trotzdem zugestehen, auch wenn sie zu Zuschauern degradiert waren. Das Ausläuten des Jahres nur mit der grossen Glocke war für uns Erwachsene ja höchstens ein Aufwärmtraining. Richtig los ging es erst nach dem 12-Uhr-Stundenschlag und dem traditionellen gemeinsamen "e guet Neus". Aber auch da standen ja nur vier Seile zur Verfügung, 2 für die grosse Glocke und je eines für die kleineren, also hatten wir 3 Ablösungen zur Verfügung. Wir waren alle stolz, dass wir den Kniff für die mittlere Glocke noch beherrschten, denn bei dieser waren die Lager ausgeleiert, man musste den Zug unterbrechen, damit die Zapfen ans andere Ende des entstandenen Schlitzes rutschen konnten. Bei der personellen 3-fachen Besetzung ist es nicht verwunderlich, dass wir nicht auf die Zeit achteten und ziemlich überrascht waren, als Franz Nydegger um halb eins rief: "Hört jetzt endlich auf, eine Viertelstunde ist ja üblich, und für mich und die Buben ist es Zeit, dass wir in die Wärme kommen, uns ist kalt vom Herumsitzen". Wir "Alten" zogen also ab, und die aktiven Läuterbuben kamen mit etwas Verspätung doch noch zum traditionellen Schübling mit Brot und Süssmost im Mesmerhaus.

Bruno Schwyn

Bilder der Glocken in der Bergkirche

letzte Änderung: 22.08.04