Gottesdienst in der leeren Kirche - 8.11.09
Die Kirche ist nie so voll, als wenn sie leer ist

Was nützt uns die leere Hülle der Kirche? Welche Gefühle hinterlässt dieser Zustand bei uns? Im Gottesdienst vom 8.11.09 versuchten wir diesen Fragen auf den Grund zu gehen.
Zunächst ein kleiner Rückblick: Nachdem am 19.10.09 zum Beginn der Innensanierung der Taufstein aus der Kirche abtransportiert worden war, wurden in der Zwischenzeit auch die Orgel und die Bänke ausgebaut. Die Kirche ist nun leer, nicht mehr in Betrieb und hinterlässt bei den Besuchern einen anderen Eindruck. Einen Eindruck der zum Nachdenken anregt.

Der Gottesdienst in der leeren Kirche war deutlich besser besucht als übliche Gottesdienste während des Jahres. Viele Kirchgänger hatten sich diese einmalige Erfahrung nicht entgehen lassen wollen. Und das, obwohl die Kirche nicht geheizt war. Umso mehr überzeugte der grosse, freie Raum der Kirche, der von Mesmerin Heidi Fischer durch ein Mandala aus Blättern und Kerzen sehr schön geschmückt war.

 

Die im Kreis angeordneten Stühle reichten nicht aus und alle halfen mit, weitere Sitzgelegenheiten herbei zu schaffen. Da die Orgel ausgebaut ist, sangen die Gottesdienstbesucher die Lieder ohne das gewohnte Begleitinstrument. Angeleitet durch die Organistin Silvia Wuigk wurden verschiedene Kanons eingeübt und gesungen. Die Akustik der Kirche unterstützte den gemeinsamen Gesang, der die Kirche in ungewohnter Weise erfüllte.

 

Pfarrerin Eva Baumgardt führte die Gemeinde über sieben Stationen durch den Gottesdienst. Die Gottesdienstbesucher setzten sich mit Fragen zum fehlenden Taufstein, dem Stundenglas an der Kanzel, dem Epitaph von Anna Ammann, der Orgelempore, der Chorwand, dem Fenster mit Schmetterling und Puppe auseinander und fanden am Schluss des Gottesdienstes wieder im Stuhlkreis zusammen.

 

 

Auf diesem Weg war allen bewusst geworden, dass sich die Bergkirche, unsere Umgebung und wir alle uns im Laufe der Zeit verändern. Eva Baumgardt zeigte eindrücklich an den Stationen auf, wie Vieles im Laufe der Zeit verloren geht und wie viel Neues wieder hinzu kommt. Es wurde offensichtlich, dass auch in der heutigen Welt die christliche Botschaft nichts an ihrer Aktualität eingebüsst hatte. Gott hat unsere Vorfahren durch ihr Leben begleitet und begleitet uns auch heute noch. Die leere und ruhige Kirche kann uns diese Botschaft nahe bringen.

Im Anschluss an den Gottesdienst gab es zum Aufwärmen heissen Tee und zur Stärkung frischen Zopf. Die Anwesenden nutzten die Gelegenheit um sich miteinander zu unterhalten und die veränderte Kirche zu geniessen. Wir alle freuen uns darauf, dass wir im nächsten Jahr die sanierte Kirche werden einweihen dürfen. Die Leere ist ein notwendiger Schritt auf dem Weg dahin.

 

Die Texte aus dem Gottesdienst finden Sie hier .

 

 

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letzte Änderung: 23.10.10