Nach "nur" 28 Jahren wurde am Donnerstag (2.9.1999) der Inhalt der beiden Turmkugeln der Neunkircher Bergkirche gesichtet.
Es ist ein alter Brauch,
dass die goldenen Kugeln, die Kirchtürme zieren, aktuelle Gegenstände und
Dokumente enthalten. Dies, um späteren Generationen, die eines Tages diese
Kugeln wieder demontieren werden, einen Einblick in die damalige Zeit zu geben.
Das war am vergangenen Donnerstag in Neunkirch der Fall: Die Fassade und das
Dach der Kirche müssen teilweise renoviert werden, und auch die beiden
Turmspitzen mit Wetterfahnen und vergoldeten Kugeln brauchen eine Überholung.
Sie wurden deshalb abmontiert, und dabei richtete sich das Augenmerk
verständlicherweise auf den Inhalt der beiden Hohlkörper.
So trafen sich am Donnerstag Gemeindepräsidentin Annegreth Steinegger und ihr
Vorgänger Hans Ulrich Schönberger vor der Kirche, um den Inhalt der beiden
zylinderförmigen Kassetten zu begutachten: Die Kirche war allerdings erst im
Jahre 1971, also vor etwas mehr als 28 Jahren, renoviert worden; die Kassetten
hatte man am 14. Juli 1971 versiegelt. So war auch der damalige Lehrer Gerhard
Walter, der damals den Inhalt zusammengetragen hatte, am Donnerstag wieder
dabei.
Die beiden aus Kupfer
bestehenden Zylinder konnten einfach mit einem Rohrschneider geöffnet werden.
Die erste Kassette enthielt verschiedene Ausgaben regionaler Zeitungen. Daneben
fand sich auch ein auf Pergament geschriebener Bericht über die damalige
Entdeckung einer Grabplatte von Pfarrer Jakob Biedermann, der zwischen 1573 und
1610 hier gewirkt hatte.
In der anderen Kassette befand sich der Voranschlag der damaligen
Kirchenrenovation, die mit 193 800 Franken budgetiert war. Die beigelegte
Baugeschichte der Renovation vermerkte, dass die Bauarbeiter "zu einem schönen
Teil aus Italienern" bestanden haben. Interessant auch eine Liste über die
Entwicklung der Kaufkraft des Schweizer Frankens ab dem Jahre 1806. Und eine
Chronik, die von Gerhard Walter verfasst worden war, schildert die damalige Zeit
- als ein Kilo Brot noch Fr. 1.10 kostete, dafür aber ein Farbfernseher zwischen
2000 und 2300 Franken. Und Kurt Waldvogel, damals noch Kantonsrat, hatte für die
"historische Kassette" einen Zweifränkler und einen Fünfliber beigesteuert -
echte Silbermünzen, "jetzt aus dem Verkehr gezogen". Das Fundgut soll der
Neunkircher Öffentlichkeit, möglicherweise in einer kleinen Ausstellung,
zugänglich gemacht werden.

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letzte Änderung: 24.08.04