Die Glocken der Bergkirche

Im Turm der Bergkirche hängen drei Glocken.

Dies sind von links nach rechts die alte Glocke von 1299 (1), die grosse Glocke von 1636 (3) und die kleine Glocke vom Anfang des 14. Jahrhunderts (2). Im Folgenden sollen die drei Glocken etwas genauer beschrieben werden.

Bitte beachten Sie, dass bei alten Texten der Buchstabe "V" anstelle von "U" verwendet wurde.

1. Die alte Glocke von 1299

Dies ist die älteste Glocke des Kantons und wahrscheinlich die zweitälteste per Inschrift datierte Glocke der Schweiz. Die älteste, ebenfalls datierte Glocke und ständig genutzte Glocke von 1291 befindet sich in Wagenhausen. Daneben gibt es eine Reihe von noch älteren Glocken in der Schweiz, welche jedoch keine exakte Jahreszahl tragen und/oder nicht mehr geläutet werden, weil sie sich z. B. in Museen befinden. So etwa die Glocke von 1294 aus St. Peter in Zürich, die heute im Landesmuseum ausgestellt ist.
Diese Glocke erklingt im Ton g', hat einen Durchmesser von 1.00 m und eine Höhe von 85 cm.
Am oberen Rand findet man in gotischen Majuskeln die Inschrift: "O REX GLORIE VENI CVM PACE XOXNO + ANNO DNI M CC LXXXX IX" (O König des Ruhmes komm mit Frieden - Im Jahre des Herrn 1000/200/90/9). Die Bedeutung des Wortes XOXNO ist unbekannt.
Diese Glocke läutet jeweils am 1. August morgens um 5 Uhr des Bundesfeiertag ein und wird im vollen Geläut genutzt.

 

 

 

2. Die kleine Glocke vom Anfang des 14. Jahrhunderts

Das Gussdatum der zweiten kleine Glocke steht nicht fest (Glocke ohne Datumsangabe); sie wurde jedoch nur wenige Jahre nach 1300 gegossen.
Diese Glocke erklingt im Ton a', hat einen Durchmesser von 90 cm und ist 67 cm hoch.
An ihrem oberen Rand steht in gotischen, hohen Majuskeln: "O REX GLORIE CHRISTE VENI CVM PACE DEVS +" (O Christus, König des Ruhmes, komme im Frieden Gottes).
Im inneren des Mantels steht mit gelber Farbe aufgemalt "HMB 1750 Mahler".

 

 

3. Die grosse Glocke von 1636

Die neue, grosse Glocke wurde 1636 in der Glockengiesserei Peter Füssli aus Zürich gegossen.

Zur Geschichte der grossen Glocke soll an dieser Stelle ein Teil eines Artikels von Gerhard Walter aus dem Schleitheimer Boten vom 30.12.1982 zitiert werden:
Im Frühling des Jahres 1636 beauftragte der Rat Von Schaffhausen, der zu jener Zeit die absolute Befehlsgewalt auch über die Kirchen der Landschaft inne hatte, den berühmten Glocken- und Kanonengiesser, Ratsherr Peter Füssli in Zürich, für die Neunkircher Bergkirche eine neue Glocke zu giessen. Es wurde ein ausführlicher, vom 23. Mai 1636 datierter Vertrag abgeschlossen. In den wichtigsten Punkten wurde festgehalten: Füssli soll die neue Glocke in Grösse und Form wie die alte, zu ersetzende, herstellen (letztere wog ungefähr 50 Zentner). Die alte Glocke wird zum Einschmelzen nach Zürich geliefert. Die Transportkosten der neuen Glocke, die in Zürich abgeholt wird, gehen zu Lasten der Besteller. Füssli erhält als Giesserlohn für jeden Zentner 7 Gulden und 30 Kreuzer. Die Bezahlung erfolgt in zwei Raten: die erste Hälfte einen Monat nach Ablieferung der Glocke, die andere Hälfte nach einem Jahr. Füssli gewährt nach altem Brauch ein Jahr Garantie. Sollten sich an der neuen Glocke vor Ablauf eines Jahres Fehler zeigen, so verpflichtet sich Füssli, die Glocke wieder nach Zürich zu holen und neu zu giessen, alles auf seine Kosten. Soweit der Vertrag.
Gerade die Garantieverpflichtung sollte sich in der Folge als recht nützlich erweisen. Bereits im August des nämlichen Jahres war der Guss fertig. Es wurde Dezember, bis die Glocke in Neunkirch anlangte. Pflichtgemäss meldete der Obervogt dem Rat in Schaffhausen die Ankunft und bemerkte dazu 'dass die Glogge hüpsch gerathen sei'. Doch fügte er die weniger erfreuliche Bemerkung an, 'im hertz (damit ist der Glockenmantel gemeint) habe es Löcher und Gruben. Er möchte wissen, wie er sich verhalten solle. Andere Leute schätzen selbige Gloggen für gut.' Das war für die Schaffhauser Regenten keine angenehme Nachricht. Man wollte den berühmten Glockengiesser nicht blossstellen und ging darum recht behutsam vor. So wurde die Sache nicht ins gewöhnliche, sondern ins geheime Ratsprotokoll aufgenommen, das nur wenige Ratsmitglieder zu Gesicht bekamen. Der Fall war umso peinlicher, weil Schaffhausen fast gleichzeitig mit Füssli Anstände hatte wegen Kanonen, die beim Ausprobieren auf der Breite beim Schützenhaus zersprungen waren. Aber es blieb nichts anderes übrig, gemäss Garantieverpflichtung konnte und musste der Rat eine neue Glocke anfordern. Dies geschah auch. Der Neunkircher Landschreiber Hans Ludwig Schmid berichtet darüber: 'Es hat aber diese Gloggen, da sie neu gegossen worden und schon in dem Thurm gehangen, einen Spalt gehabt und hat wieder auf Zürich müssen umzugiessen.'
Die Glocke stellt also einen Umguss einer fehlgeratenen dar. Dass dieser zur Ehre des Meisters ausgezeichnet gelungen ist, bezeugt die Glocke selbst, die nach bald dreieinhalb Jahrhunderten ihren Dienst wie eh und je tut."

Diese Glocke erklingt im Ton c', hat einen Durchmesser von 1.59 m, ist 1.26 m hoch und hat am unteren Rand einen Umfang von 4.90 m. Der Klöppel ist 1.60 m lang.
Auf den Bügeln der Krone, an denen die Glocke aufgehängt ist, befinden sich Fratzen. Auf der Kuppe finden sich an vier Stellen die Symbole der Evangelisten ("S MATEVS" Engel, "S. LVKAS" geflügelter Stier mit Heiligenring, "S. MARKVS" Löwe, "S. IOANNES" Adler).
 

     

Den oberen Rand umzieht ein barockes Zierband, das mit Brustfigürchen durchsetzt ist. Darunter, nach einem hinweisenden Zeigehändchen mit Lindenblatt in Majuskeln: der lateinische Spruch "VERBUM DEI NOSTRI PERMANET SAECULUM ESAIAE XL ANNO DOMINI 1636 MENSE AUGUSTO" (Das Wort unseres Gottes dauert ewig, Jesaja 40, im Jahre des Herrn 1636 im Monat August).

An drei Stellen des Mantels findet man verschiedene Wappen.

Doppeltes Schaffhauser Standeswappen, überstellt vom Reichsadler und darunter das Wappen von Neunkirch
 

Drei persönliche Hinweise: Wappen von Im Thurn (Löwe), daneben "H. IOHAN IMTHVRN / BVRGERMEISTER"; Wappen von Forrer (Föhre), daneben "H. IOHAN MARTIN FORRER / BVRGERMEISTER" und darunter ohne Wappen Schalch, innerhalb des Kranzes "MATHEVS / SCHALCH / OBERVOGT".

Zwei persönliche Wappen: Steinegger, im Kranz "CHRISTOF / STANINGER / VNDERVOGT"; Mäder, daneben "HANS CVNRADT / MEDER LANDSCHREIBER" und darunter in einer Banderole "US HITZ UND FÜR BIN ICH GFLOSSE PETER FÜSSLI VO ZÜRICH HAT MICH GOSSE".
 

Am unteren Glockenrand findet sich der Spruch: "DER GOETTLICHE POSAVNEN SCHALL WIRD ENDTLICH DIE BERVFFENEN ALL ZV CHRISTI REICH BEI IHM ZV LEBEN EWIGLICH. SOLCHES THVT AVCH DER GLOGGEN THON WAN ER VNS HEISST ZVR PREDIGT GAHN. WER SELBEN GLAVBT UND LEBT WIRD AVCH ZV CHRISTI REICH ERHEBT."

Mit einem grossen Hammer werden die Stunden mit der grossen Glocke geschlagen. Dieser Hammer ist über einen Umlenkmechanismus mit der Uhr im Turm verbunden.
   

 

Das Geläut der Glocken

Hier können Sie unsere Glocken hören, wenn Sie etwas Geduld haben, da relativ viel Daten (351 KB) geladen werden.

 

 

Die Glocken sind Bestandteil der Geschichte der Bergkirche.

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letzte Änderung: 22.09.06